Proscenio Sardo

Sardinien hat in der Geschichte des Mittelmeerraums nahezu immer eine entscheidende Rolle gespielt. Antike Wurzeln, Shardana

Vasco De Cet - Oktober 2011

Immagine Slideshow

Amphitheater der Zeit

al centro della scenaAndalusien, Murcia, Valencia und Katalonien; Aquitanien, Midì, Languedoc und Provence mit dem Fürstentum Monaco; Ligurien, Toskana, Latium mit dem Heiligen Stuhl, Kampanien und Kalabrien; Sizilien mit der Meeresenge zum östlichen Mittelmeer, nach Malta und zum ionischen Meer, die Ägäis, die libyschen Küsten, Medina, Gabes, Sfax, Mahdia, Monastir, Sousse, dann der Golf von Tunis, Bizerta, Beja und Jendouba; die 14 Wilaya (Küstenprovinzen) Algeriens und die marokkanischen Regionen von Oujda mit der spanischen Enklave Melilla, Taza-Al Hoceima-Taounate und Tanger; Gibraltar; die Balearen: In den Wunden, in den im Territorium noch offenen Verletzungen, in den Sprachen, im Charakter der vielen Völker und in der Geschichte verkörpert Sardinien eine historisches, naturkundliches, geografisches, wirtschaftliches, politisches und militärisches Szenarium.

Die Geschichte ist in Sardinien stets gegenwärtig: In den Menschen und in den Dingen; sie ist ausgesprochen reich und zerklüftet wie die Küste; sie ist wechselvoll wie die des Westens, geprägt vom Meer, das im Golfo del Leone an Kraft gewonnen hat– zwischen Spanien, Frankreich und Nordafrika - angetrieben vom Maestrale, der die Luft Europas und des Atlantiks vom Rhonetal bis nach hier her bringt.

Sardinien hat in der Geschichte des Mittelmeerraums nahezu immer eine entscheidende Rolle gespielt.

Antike Wurzeln, Shardana

Dolmen, Menhire, Domus de Janas und Fundstücke dokumentieren die pränuraghischen Zivilisation des Homo Sapiens (14.000 v. Chr. bis 1.600 V. Chr.).

Gräber, heilige Brunnen, Dörfer, mehr als 7.000 Nuraghen, Inschriften, Waffen, Erzeugnisse und Kunstwerke berichten uns von einer fortschrittlichen Zivilisation von Seefahrern, Kriegern, Bauern und Hirten, die Beziehungen zu Myzenern, Phöniziern und Etruskern unterhielt. Die nuraghischen „Shardana“ (Sardiani) waren auch Piraten und Söldner, die in Konflikte mit den Ägyptern verwickelt waren und die ihnen dienten, und es ist belegt, dass sie die Küsten des subsaharischen Afrikas erreichten. Wahrscheinlich semitischer Herkunft, gelangten sie um 1-600 v. Chr. in die Küstenregionen (heute Syrien und Palästina) von

Kleinasien (heute Naher Osten); sie sprachen eine indoeuropäische Sprache, die dem Latein ähnlich war; wie die spät-prähistorischen Sarden verehrten sie nur eine Gottheit mit israelitischen Zügen, die Yahwhé genannt wurde. Einer glaubhaften Theorie zufolge könnten in der nuraghischen Zivilisation die Wurzeln des Mythos von Atlantis zu sehen sein, dem Reich, das durch Überschwemmungen nach Seebeben zerstört wurde, die in der Antike im Mittelmeerraum stattfanden; vielleicht ist es kein Zufall, dass die Griechen die Nuragher und die Etrusker mit dem gleichen Namen bezeichneten: Tirsenoy.


Karthago, Rom und die Stadt

Die nuraghischen Zivilisation versank zuerst im Reich Karthago und dann im römischen Reich. Die neuen Kräfte besetzten die Küsten und drängten die Nuragher in das Hinterland zurück, wo Spuren ihrer Kultur überlebten.

Die Phönizier, die von 900 bis 700 v. Chr. auf der Insel ansässig waren, unterhielten friedliche Handelsbeziehungen mit den Sarden; die Punier hingegen beabsichtigten von Anfang an die Unterwerfung Sardiniens. Um das Jahr 535 v. Chr. wehrten die Sarden den ersten Versuch der Eroberung durch Karthago ab; die phönizischen Siedlungen an der Küste wurden zu Städten, sie gerieten jedoch unter die kulturelle Hegemonie der nordafrikanischen Zivilisation; die Zentren Karalis (Cagliari), Solki (Sant’Antioco), Bosa, Tharros, Bithia (Chia), Neapolis (Santa Maria di Nabui), Cornus (Cuglieri), Nora und Otocha (Santa Giusta) entstanden.

Die Römer beherrschten Sardinien ab Anfang des 3. Jahrhunderts v. Chr., nachdem sie sich die Herrschaft über eine gewisse Zeit, die von mehreren Konflikten geprägt war, mit Karthago geteilt hatten. Sie unterdrückten zahlreiche Aufstände, setzten die römische Hegemonie durch und gründeten auch Städte wie Turris Libisonis (Porto Torres) am westlichen Eingang zur Meerenge im Norden sowie Forum Traiani (Fordongianus) an der Straße, die den Norden mit dem Süden verband. In dieser Periode erlangte Olbia, eine Stadt mit phönizischen und punischen Wurzel, zu neuer Bedeutung und neuem Leben. Straßen, städtische Zentren und öffentliche Arbeiten kennzeichneten die römische Herrschaft, die Sardinien zu einer ihrer Kornkammern machte und die mit dem Latein großen Einfluss auf die sardische Sprache hatte.

Die kosmopolitische Berufung

Das heutige Sardisch ist eine romanische Sprache, die in zwei Varianten auftritt: dem Logudoresisch im Zentrum und im Norden sowie dem Campidanesisch im Süden. Außerdem gibt es eine Vielzahl von „Dialekten“: das Arborensisch, das im mittleren Westen gesprochen wird, das Barbaricinisch im Gebiet um Nuoro (das Loguodoresisch, das seinen Ursprüngen am nächsten ist) und das Ogliastrinisch im mittleren Osten; das Galluresisch, das im Nordosten gesprochen wird, ist eine Variante des südkorsischen Dialekts; das Sassaresisch, das im Nordwesten gesprochen wird,spiegelt die Geschichte der Handelsstadt wider und es handelt sich um eine Hybridform aus Logudoresisch, Korsisch und Toskanisch mit katalanischen, spanischen und ligurischen Einflüssen. In Carloforte auf der Insel San Pietro wird Tabarchinisch gesprochen, ein archaischer Dialekt mit ligurischen Wurzeln; in Alghero wird eine Hybridform des Katalanischen und der Idiome der Provinzen Girona, Barcelona sowie der Balearen gesprochen. In der Gründungsstadt Arborea sowie im Campidano Oristanese wird noch der venetianische Dialekt gesprochen, der durch die Einwanderungsbewegung im Zusammenhang mit der Urbarmachung der Sümpfe in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eingeführt wurde; in Fertilia wird noch eine Hybridform eines venetisch-friaulischen Dialekts gesprochen, der nach dem zweiten Weltkrieg durch Einwanderer aus Istrien und Dalmatien eingeführt wurde. In Isili, im Sarcidano, zwischen Campidano und Barbagia, wird noch ein Zigeunerjargon gesprochen, der wahrscheinlich von Handwerkern und fliegenden Händlern eingeführt wurde, die mit Waren aus Kupfer handelten.

Reichtum

Der Bergbau wurde ca. 6.000 Jahre v. Chr. mit dem Abbau von Obsidian am Monte Arci begonnen und ca. 3.000 Jahre v. Chr. begannen zuerst die Nuragher und später dann die Phönizier und die Punier mit dem Abbau von Erzen, vor allem in der Iglesiente; in der römischen Epoche wurde der Bergbau auch auf Gebiete wie Sarrabus im Südosten ausgedehnt und neben den Bergleuten wurden auch Zwangsarbeiter eingesetzt, die „Metallari“ genannt wurden. Beim Niedergang des römischen Reiches kam es auch zu einem Rückgang des Bergbaus und ganze Abbaugebiete wurden aufgegeben, um viele Jahrhunderte später erneut entdeckt zu werden.

Vandalen

Zu Beginn des 5. Jahrhunderts n. Chr. drangen die Vandalen aufgrund des Vordringens der Hunnen von Nordosten sowie des römischen Widerstands in Mittel- und Norditalien nach Gallien (Frankreich) und Spanien vor; von hier aus drangen sie weiter nach Nordafrika vor, von wo aus sie zuerst Sizilien und dann auch Sardinien eroberten. In der Mitte des 5. Jahrhunderts n. Chr. siedelten die Vandalen auf der Insel afrikanische Exilanten an, darunter eine Gruppe von mauretanischen Kriegern in Forum Traiani (Fordingianus), um die einheimische Bevölkerung zu bekämpfen, die den neuen Herrschern Widerstand leistete; erst nach dem Ende der vandalischen Herrschaft, die in eine Phase der Plünderungen überging, verbreiteten sie sich über die gesamte Insel und siedelten sich auch im Süden an.

Byzanz

Nach der Herrschaft der Vandalen, die 80 Jahre dauerte, begann im Jahr 534 n. Chr. die byzantinische Herrschaft. Unter der neuen Herrschaft wechselte auf das Innere der Insel zum christlichen Glauben, mit dem Pakt zwischen Zabarda, Dux von Papst Gregor dem Großen, und Hospitone, Stammesführer der Barbària (heute Barbagia), die auch während der byzantinischen Herrschaft irredent blieb. Die byzantinische Kultur und Religion hatten einen großen Einfluss auch auf die Bräuche, die Traditionen, die Kunst, die Architektur und die politischen Strukturen; ein Einfluss, dessen Spuren noch heute lebendig sind.

 

 

Mittelalterlicher Glanz

Die byzantinische politische und verwaltungstechnische Unterteilung überlebte den Niedergang des Reichs, der auch durch den wachsenden arabischen Einfluss im Mittelmeerraum verursacht wurde. Gegen Ende des 9. Jahrhundert n.Chr. gelangte Sardinien – das erst Herzogtum des Exarchats Afrika und dann des Exarchats Arcontea war, das direkt von Konstantinopel abhängig war - zur Unabhängigkeit vom Reich und die Judikate bildeten sich heraus.

Die sardische politische Kultur gegen Ende des ersten Jahrtausends unterschied sich von der, die zur gleichen Zeit an den europäischen Küsten heranreifte; die Insel orientierte sich am römischen Recht und entwickelte kein Feudalsystem, das erst während der katalanischen Herrschaft ab 1400 n.Chr. eingeführt wurde.

Die Judikate waren richtige souveräne Staaten, die nicht das Feudalsystem aufwiesen, das auch dem Kontinent vorherrschte; es entstand eine aristokratische Schicht von Großgrundbesitzern, die jedoch stark vom europäischen Adel verschieden war. Die Judikate waren in vielen Aspekten recht modern und ihre Erfahrung kann mit der der Stadtstaaten verglichen werden, die im Mittelalter in Mittel- und Norditalien sowie in Westeuropa entstanden. Auch in Sardinien existierten neben den Judikaten Stadtstaaten wie Sassari und Villa di Chiesa (Iglesias) die - zusammen mit Alghero, Cagliari, Oristano, Bosa und weiteren Städten - noch Jahrhunderte nach dem Ende der Judikate Modelle des von den Aragonern eingeführten Feudalsystems waren.

Sardinien bestand aus 4 Judikaten: Cagliari (Santa Igia, das heißt, Santa Gilla), Arborea (Tharros, dann Oristano), Torres Porto Torres, dann Ardara und schließlich Sassari) und Gallura (Civita, das heißt, Olbia und Luogosanto). Obschon sie eine byzantinische und institutionelle Form beibehielten, unterschieden sie sich voneinander durch politische Gepflogenheiten, Kultur, Entwicklungsstand der Höfe, Macht, Reichtum usw. Zu Beginn gab es ein fünftes kleines Judikat, Agugliastra (Ogliastra), das jedoch schon bald an das Judikat Cagliari angegliedert wurde.

Die judikale Monarchie war eine Mischform aus Erbrecht und Wahlrecht und sie begründete ihre Legitimität auf der Zustimmung der „Corone“, einer Art von Parlamenten, die neben dem Giudice öffentliche Regierungs- und Justizfunktionen ausübten. Die Institutionen waren gegliedert, ausgewogen und subsidiär. Das Vermögen des Staates war getrennt von den privaten Vermögen des Giudice und der Aristokraten. Die Rechte der Bürger und der Dienerschaft, das Eigentum, die Nutzung der Allmenden sowie das Zivil- und Strafrecht wurden auf für diese Zeit sehr fortschrittliche Weise geregelt.

Die Pisaner und die Genueser waren in den Jahren 1015 - 1016 n. Chr. nach Sardinien gekommen, als sie den Eroberungsversuch von Mujiahid, Prinz der Balearen, abwehrten, der dem Kalifen von Cordoba unterstand. Dies war die letzte größere Auseinandersetzung nach nahezu drei Jahrhunderten von arabischem Druck, dem die Sarden widerstanden. Es folgten noch für längere Zeit zahlreiche Überfälle, jedoch das geopolitische Pendel schlug bereits in eine andere Richtung.

Das Judikat Cagliari fiel gegen Mitte des 13. Jahrhunderts n. Chr. in pisanische Hände. Das Judikat Torres wurde in der gleichen Periode zwischen den genueser Familien Doria und Malaspina aufgeteilt. Das Judikat Gallura, das ab Beginn des 13. Jahrhunderts n. Chr. von den Pisanern kontrolliert wurde, ging nahezu gleichzeitig mit dem Judikat Cagliari unter. Diese Ereignisse wurden von den Aragonern genutzt und so ging auch das Judikat Arborea nur zwei Jahrhunderte später unter.

Das Judikat Arborea widersetzte sich den Herrschaftsbestrebungen der Aragoner auf der gesamten Insel durch die Ausrufung des Reichs Sardinien und Korsika durch den Papst, das gegen jährliche Zahlungen an den König von Aragon abgetreten wurde, um ein Gleichgewicht zwischen den Angioini und den Aragonern in Sizilien zu erreichen.

Die erste judikale Periode dauerte also von 900 bis 1250 n. Chr.; die zweite Phase, während der nur noch das Judikat Arborea bestand, von der Mitte des 13. Jahrhunderts bis zum Jahr 1420 n. Chr.

Das sardische Judikat

Als Bonifatius VIII. im Jahr 1297 das Königreich Sardinien und Korsika an den König von Aragon abtrat, überging er damit die anderen Herrscher: das Judikat Arborea, das die anderen drei überlebt hatte; die Stadt Sassari, die genuesischen Besitzungen der Doria im Norden sowie die pisanischen in Cagliari, Villa di Chiesa sowie in der Gallura.

Aus diesem Grund hielten die Aragoner die Giudici von Arborea für ihre Vasallen, die sich hingegen als legitime Herrscher der Insel ansahen. Diese unterschiedliche Sichtweise (Gleichheit für die Sarden, Unterordnung für die Aragoner) wurde beeinflusst durch die unterschiedliche institutionelle Kultur der beiden Dynastien sowie den Unabhängigkeitsdrang der Sarden. Der König von Aragon, das heißt, der Graf von Katalonien, verlieh der judikalen Familie zahlreiche Titel und machte Ugone II, den Großvater der zukünftigen Giudicessa Eleonora, zum Vicomte von Bas, und erhob ihn damit an die Spitze der Adelshierarchie des katalanischen Königreichs; damit unterstrich er die Abhängigkeit des Giudice und sicherte sich seine Loyalität im Kampf gegen die Seerepubliken um die Eroberung „seines Königreichs Sardiniens“; Ugone II. hingegen akzeptierte die iberischen Verwicklungen, um die militärische Macht der Aragoner für seine Zwecke zu nutzen und um die Insel von den „ligurischen und toskanischen Invasoren“ zu befreien.

Während Ugone II. noch regierte, verlieh der König von Aragon dessen Sohn Mariano den Titel Graf von Goceano (Zentrum-Norden/Tirso; Bono, Benetutti, Bultei, Nule, Burgos, Bottidda, Illorai usw.) und Marmilla (Zentrum-Süden); auf diese Weise machte er ihn zu seinem Vasallen für die Territorien des sardisch-korsischen Königreichs auf der Insel, die formal nicht zum Judikat gehörten; Mariano zeichnete sich von Anfang an durch eine aufgeklärte und weitsichtige landwirtschaftliche. politische und militärische Organisation seiner Ländereien aus. Er wurde Giudice, als sein älterer Bruder Pietro III. ohne Nachfolger verstarb und begann sofort damit, den katalanischen Einfluss auf Sardinien einzudämmen.

Nachdem die Seerepubliken aus Sardinien vertrieben waren, nahm Mariano IV. der verwandtschaftlichen Beziehungen zum Trotz einige Änderungen der Politik seines Vaters gegenüber dem iberischen Hof vor und es kam zu einer langen und blutigen Auseinandersetzung, die 90 Jahre dauerte. Mariano führte, auch zusammen mit seinem Sohn Ugone, zahlreiche militärische Operationen zu Land und zu See durch, begrenzte so die aragonische Präsenz in Sardinien auf Cagliari und Alghero und dehnte seine Herrschaft nahezu auf den gesamten Rest der Insel aus; er handelte im gesamten Mittelmeerraum mit dem Korn seines Reiches und sammelte so große Reichtümer an, die es ihm gestatteten, den Krieg ohne Schwierigkeiten zu finanzieren.

Er erließ den Codice Rurale und er stand in Korrespondenz mit vielen wichtigen Persönlichkeiten seiner Zeit an allen Ufern des Mittelmeers.

In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts n. Chr. folgte sein erstgeborener Sohn Ugone III. auf ihn, der ältere Bruder von Eleonora, deren Mutter eine katalanische Adlige war, Timbora di Roccabertì; Ugone III. heiratete eine Adlige aus Viterbo, die ihm eine Tochter gebahr, und er setzte die väterliche Politik der Unabhängigkeit auf juristischer und militärischer Ebene fort; es gelang ihm jedoch nicht, gute Beziehungen zum sardischen Adel aufzubauen, der einen Aufstand anzettelte, bei dem er ermordet wurde, zusammen mit seiner Tochter, der zukünftigen Giudicessa, ermordet wurde.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass seine eigene Schwester die Ermordung anordnete, um davon zu profitieren.Nachdem sie von ihrem Bruder aus Sardinien „entfernt“ worden war, der aufgrund von unverhüllten dynastischen Ambitionen Übereinkünfte mit den Aragonern fürchtete, verbündete sie sich vielleicht mit ihrem Gatten, dem Genueser Brancaleone Doria, der ihre beiden Söhne anerkannte, auch wenn ihm die tatsächliche Vaterschaft des zweiten nicht zugeschrieben werden kann. Obschon er ein Vasall des Grafen von Katalonien war, hatte er die zukünftige Giudicessa auf Anregung von Mariano IV. geheiratet, um den Bestrebungen der Aragoner entgegenzuwirken, da die Doria über größere Ländereien im Norden Sardiniens verfügten. Ugone III. sprach sie ihnen ab, aber durch den Aufstieg von Eleonora kamen die Doria erneut in den Besitz ihrer sardischen Ländereien.

Im Jahr 1383 wurde in Sardinien nach einem Aufstand eine Republik ausgerufen, die jedoch die Normsysteme bestätigte, die Mariano IV. und Ugone III. eingeführt hatten.

Eleonora

Eleonora bat den König von Aragon – der nominell Inhaber des Reichs war - um die Anerkennung der Erbfolge ihres Sohns; in Katalonien herrschte Peter el Cerimonioso, der sich jedoch weigerte, da er die Macht der Familie fürchtete, die doppelt mit Genua verbunden war und die auf einen Schlag zur Herrschaft über zwei Drittel der Insel gekommen wäre; er nahm Brancaleone als Geisel, der sich zum Hof begeben hatte, um Ländereien und Adelstitel zu erhalten und um eine Flotte zur Unterstützung der Wiederherstellung der judikalen Monarchie seiner Gattin anzufordern. Eleonora gelangte dennoch nach Oristano, legte die Streitigkeiten mit dem Adel bei und ernannte sich selbst zur Regentin für ihren erstgeborenen Sohn Federico; sie unterzeichnete ihre Regierungsurkunden jedoch stets als Giudicessa, auch, weil das salische Recht in Sardinien keine Gültigkeit hatte.

Als zweitgeborene Tochter von Mariano IV schuldete die Giudicessa dem Dogen von Genua, dessen Tochter ihrem Sohn Federico versprochen war, einen größeren Betrag. Diese Übereinkunft vereinigte die geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen des sardischen Judikats mit denen der Seerepublik. Auf diese Weise war Eleonora eingefügt in die politischen Dynamiken des Mittelmeerraums und Europas sowie über wirtschaftliche Beziehungen und Ehen alliiert mit der ligurischen Macht.

Eleonora war eine richtige Königin. Wie in Sardinien üblich basierte die Legitimierung ihrer Herrschaft auf der Zustimmung; sie regierte mit Entschlossenheit, Weisheit und Maß, es gelang ihr, die Ansprüche der Aragoner mit Geduld, Kraft und Zynismus abzuwehren und die Herrschaft ihres Judikats auf nahezu die gesamte Insel auszudehnen. Sie unterzeichnete einen Frieden mit den Aragonern und trat ihnen größere Territorien ab, um die Anerkennung ihrer Legitimität sowie die Freilassung ihres Gatten zu erwirken; nachdem die Vereinbarungen jedoch nicht eingehalten wurden, bewaffnete sie ein Heer unter der Führung von Brancaleone, um die abgetretenen Territorien zurückzuerobern. Sie pflegte den Keim der sardischen Unabhängigkeitskultur, der von Barisone I gepflanzt worden war, und sie folgte damit ihrem Vater und ihrem Bruder, die ihn ihrerseits vom ersten König von Sardinien übernommen hatten, der im Jahr 1164 n. Chr. von Friedrich I. eingesetzt wurde – nicht vom Papst – der vergeblich versuchte, die Judikate zu vereinen; diese blieben jedoch, mit der Ausnahme vom Judikat Arborea, unter pisanischem, genuesischem und katalanischem Einfluss.

Die „Carta de Logu“

Im Jahr 1215 wurde der König von England, Johann Ohneland, die Magna Charta Libertatum zu unterzeichnen; die Charta, die als Vorform der Anerkennung der Menschenrechte gilt, ist jedoch eine Art von „Vertrag“ zwischen dem Monarchen und seinen Baronen; die Carta de Logu, die von Eleonora nahezu zwei Jahrhunderte später erlassen wurde, ist hingegen ein Straf- und Zivilgesetzbuch und das erste dieser Art.

Zwei Jahre nach der Geburt von Eleonora, 41 Jahre vor ihrer Regentschaft, 5 Jahr vor der Besteigung des judikalen Throns durch ihren Vater Mariano IV., 50 Jahre vor der Verkündung der Carta de Logu und eineinhalb Jahrhunderte nach der Magna Charta hatte im Jahr 1342 eine andere Adlige – die Gräfin Margarete von Tirol, genannt Maultausch, (1318-1369) – in Südtirol ein Statut erlassen, das Formen der politischen Vertretung vorsah, eine autonome und öffentliche Verwaltung und Rechtsprechung schuf, die Eigentumsrechte ausdehnte und die Organisation des Bergbaus, der Justiz und des Handels reformierte.

Eleonora erließ die Carta de Logu im Jahr 1392, als ihr zweitgeborener Sohn Mariano V. Doria dabei war, den Thron des Judikats zu besteigen, in der Nachfolge des Bruders Federico, der minderjährig verstorben war.

Die Carta stellt eine Neuordnung des Codice Rurale des Vaters und des Bruders von Eleonora dar und ergänzte ihn um einige juristische Neuerungen in byzantinischer Gestalt, sie führte Aspekte des sardischen Zivilrechts (wie das Brevier von Villa di Chiesa und die Statuten von Sassari) sowie Aspekte des mittelitalienischen Rechts ein; außerdem wurden Elemente des katalanischen und des kanonischen Rechts an lokale Gepflogenheiten angepasst; alles in allem stellt die Carta gegen Ende des Mittelalters einen überraschenden Vorläufer dar, der Rechtssicherheit, Öffentlichkeit der Gesetze sowie den Schutz des privaten Eigentums einführte. Sie legte das Strafrecht, das Zivilrecht und die Prozessordnung fest, sie regelte die Berufungsverfahren, schützte die Frauen, wirkte der Wucherei entgegen und nahm die moderne Form des Staats, der Regierung und der Justiz vorweg, sie regelte das Familienrecht und die Erbfolge, führte das absolute Recht ein und regelte das Thema der Brände mit beeindruckenden Parallelen zur aktuellen Gesetzgebung.

Eleonora regierte mit Realismus als Giudicessa und Regentin zwischen 1383 und 1392 n. Chr., de facto war sie jedoch bis zu ihrem Tode im Jahr 1404 n. Chr. an der Macht.

Das Judikat Arborea ging endgültig 11 Jahre nach der Schlacht von Sanluri im Jahr 1409 n. Chr. unter, als der letzte Giudice von Arborea es für 100.000 Gulden an Aragon abtrat; damit endete eine Epoche von außerordentlichem kulturellem, juristischem, wirtschaftlichen und politischem Glanz.

Die Carta de Logu wurde nach dem Ende des Judikats zu Beginn des 15. Jahrhunderts n. Chr. auf die gesamte Insel angewendet und sie blieb in Sardinien in Kraft, bis sie mehr als 4 Jahrhunderte später im Jahr 1827 durch den Codex von Carlo Felice ersetzt wurde, 7 Jahre nach dem Chiudende-Edikt. Die Carta de Logu hat während ihrer langen Gültigkeit viele Aspekte der Kultur der Insel beeinflusst und sie stellt das Bindeglied zu den präjudikalen Epochen und Zivilisationen dar.

Nutzung

In der byzantinischen Zeit begann Sardinien, Metalle zu exportieren, vor allem Silber, bis die Überfälle der Sarazenen sowie der Niedergang des oströmischen Reichs es schwierig machten. Nach der Entstehung der Judikate nach dem Niedergang des byzantinischen Reichs gaben die Pisaner – die auf Grundlage des Traktats mit Genua, das von Benedikt XIII. gefördert wurde, über große Teile der Insel herrschten, dem Bergbau neue Impulse, vor allem durch Ugolino della Gherardesca, Graf von Donoratico, der über den Süden der Insel herrschte. Nachdem die Pisaner Sardinien verlassen hatten, nachdem sie von der Allianz zwischen dem Judikat Arborea und dem Königreich Aragon besiegt worden waren, kam es zu einer Unterbrechung der Silberladungen an die Seerepublik, was in entscheidender Weise mit zu ihrem Niedergang beitrug. Während der spanischen Herrschaft hatte der Bergbau allen Anstrengungen zum Trotz nur eine marginale Bedeutung.

Der spanische Niedergang

Das Königreich Sardinien und Korsika, das von Papst Bonifatius VIII. für die Aragoner angestrebt wurde und das nie wirklich entstand, endete somit mehr als ein Jahrhundert nach seiner Gründung mit dem Ende des letzten Judikats. Während Europa dem Ende des Mittelalters entgegen ging, warfen die Aragoner und ihre Unterdrückungspolitik Sardinien nach einer Epoche der Modernität und des Glanzes in der Zeit zurück. Der König von Aragon versuchte weiterhin, die Sarden und die Korsen zu unterwerfen, aber der Konflikt wuchs an und in Sardinien wurde er im Jahr 1470 n. Chr. greifbar unter Leonardo de Alagon, der in der Herrschaft über Arborea und Goceano auf seinen Onkel Salvatore Cubello folgte, den Markgrafen von Oristano. Leonardo forderte den Vizekönig von Katalonien heraus und besiegte ihn in Uras; 8 Jahre später besiegten die aragonischen Truppen Leonardo, entzogen ihm die Herrschaft und kerkerten ihn in Spanien ein, wo er viele Jahre später verstarb. Die spanische Herrschaft war für die gesamte Insel unfruchtbar, auch nach der Ehe zwischen Ferdinando von Aragona mit Isabella von Kastilien, durch die die beiden iberischen Reiche vereint wurden.

Savoyen

Das Königreich Sardinien fiel durch das Traktat von London im Jahr 1718 n. Chr. an Savoyen, nach den spanischen Erbfolgekriegen zu Beginn des Jahrhunderts sowie einem dreijährigen habsburgischen Interregium. Die savoyische König Amedeo II. wandte eine grausame Politik der Unterdrückung an und besetzte die Insel militärisch. Auch sein Nachfolger, Carlo Emanuele III., der die Tabarchini (Fischer und Händler aus Pegli, die sich ab 1540 n. Chr. auf einer kleinen Insel in der Nähe der nordafrikanischen Küste niederließen und in Konflikt mit dem Bey von Tunis gerieten) auslöste und ihnen die Insel San Pietro zuwies, führte weder wesentliche Änderungen des Feudalsystems der Insel, noch Verbesserungen der Lebensbedingungen der Bevölkerung ein; wie seine Nachfolger steigerte er die Steuerlast sowie die Ausbeutung der sardischen Ressourcen.

La Maddalena, bewohnt seit der Prähistorie und den Griechen bekannt, ein Kreuzungspunkt des Seehandels während der römischen Epoche, Schauplatz von Auseinandersetzungen zwischen den Sarazenen und den Seerepubliken sowie Sitz von Benediktinersiedlungen, wurde trotz ihrer strategischen Bedeutung nicht im Traktat von London berücksichtigt und blieb so für ca. 50 Jahre Niemandsland. Die Insel wurde seit dem 17. Jahrhundert n. Chr. von einer Kolonie von korsischen Hirten bewohnt. Die Savoyer nahmen die Insel im Jahr 1767 in Besitz und schlossen ein Bündnis mit den Bewohnern; dies erklärt ihre Loyalität gegenüber dem savoyischen König während des Kriegs gegen das revolutionäre Frankreich. Gegen Ende des Jahrhunderts gründete Andrea de Geneys auf La Maddalena die savoyische Kriegsmarine, die sardische Marine, auf die die italienische Kriegsmarine zurückgeht; die Insel wurde nach und nach zu einer wichtigen Marinebasis, zuerst savoyisch und dann italienisch.


Giuseppe Garibaldi wohnte mehrmals auf Caprera, der zweiten Insel des Archipels La Maddalena; hier verstarb er und hier befindet sich sein Grab.

Bereits in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts hatten die Sarden begonnen, sich immer häufiger und erfolgreicher der savoyischen Herrschaft zu widersetzen, begünstigt durch eine wachsende politische und intellektuelle Unterstützung, vor allem nach der französischen Revolution im Jahr 1789 n. Chr.

Im Jahr 1793 n. Chr. widerstand La Maddalena dem Druck der Franzosen, diese besetzten jedoch Sant’Antioco und Carloforte und richteten dort republikanischen und aufklärerische Systeme ein; sie griffen auch Cagliari an, sie wurden jedoch vom sardischen Widerstand zurückgeschlagen, der von der Propaganda des Klerus sowie des Adels unterstützt wurde.

Im Zuge dieser Ereignisse klagte der sardische Adel die Unabhängigkeit und die Vertretung im Königreich Piemont ein, ihre Erwartungen wurden jedoch enttäuscht.

Im Jahr 1794 n. Chr. kam es in der Stadt zu einem Aufstand; piemontesische Generäle wurden ermordet und Beamte des Reichs und des Vizekönigs wurden gefangengenommen und ausgeraubt. Sassari und die Ländereien von Logudoro forderten die Unabhängigkeit von Cagliari und die direkte Unterstellung unter Turin. Der Aufstand weitete sich nach und nach gegen den Adel aus. Die Situation blieb bis Weihnachten des Jahrs 1795 kriegerisch, als die Aufständischen Sassari einnahmen.

Giovanni Maria Angioy

Eingeladen vom Vizekönig mit allen Vollmachten zur Niederschlagung des Aufstands, jedoch sensibel für die Kultur der Aufklärung, erkannte er die aufkommende Verbündung der sozialen Klassen, die bisher von der politischen Macht ausgeschlossen waren, nahm er die Unzufriedenheit zur Kenntnis, wurde als Befreier empfangen und erhielt von überall Unterstützung.

Auch in Sassari wurde er als Befreier empfangen; aus diesem Grund war es nicht erforderlich, die militärische Stärke einzusetzen, um die Aufständischen zu unterwerfen.

Nach der Befriedung der Insel versuchte er, eine Reform des Feudalsystems in Gang zu bringen und den Sarden mehr Freiheiten zu verschaffen; dadurch geriet er auch in militärischen Konflikt mit Savoyen, bei dem er unterlag. Nach und nach wurde er von seinen Genossen und den Adligen verlassen, die ihn unterstützt hatten. Seine Vollmachten wurden widerrufen und er wurde eingekerkert.

Es gelang ihm, nach Frankreich zu fliehen, wo er die Idee der Befreiung Sardinien weiter verfolgte und es gelang ihm sogar, Napoleon davon zu überzeugen, eine Spedition zu organisieren, die aufgrund der Aufstände in Korsika jedoch nie aufbrach.

Er starb in Frankreich und mit ihm ging eine weitere wesentliche Chance für das sardische Volk verloren.

Der König in Sardinien

Der savoyische König suchte nach der französischen Besetzung des Piemonts im Jahr 1799 n. Chr. in Sardinien Zuflucht und blieb bis 1814 n. Chr., als Napoleon endgültig fiel.

Das Chiudende-Edikt

Nachdem er nach der sardischen Verschanzung zu Beginn des 19. Jahrhunderts in seine Heimat zurückkehrte, zerstörte der König von Piemont, Vittorio Emanuele I., endgültig die sardische Wirtschaft mit dem Chiudende-Edikt des Jahres 1820 n. Chr. Damit gestattete er es jedem, Land in Besitz zu nehmen, das zuvor Allmende war. Das Edikt wurde von den Mächtigen wie den Großgrundbesitzern und den Piemontesern ausgenutzt und damit wurde eines der wesentlichen kulturellen und juristischen Elemente ausgelöscht, das sogar die Herrschaft der Aragoner unbeschadet überstanden hatte.

Ungezügelter Appetit

Auf die zahlreichen Aufstandsversuche, die im Blut erstickt wurden, sowie die Unabhängigkeits- und Autonomiebestrebungen während des gesamten 19. Jahrhunderts reagierten die Piemonteser mit einem zügellosen Interesse an den Ressourcen der Insel; die Spuren der radikalen Entwaldung der Insel sind noch heute deutlich zu sehen.

Durch die Zuweisung des Königreichs Sardinien an die Savoyer geriet der Bergbau erneut in Schwung, die savoyische Monarchie setzte jedoch zu Beginn überwiegend ausländische (englische, deutsche und schwedische) Unternehmen ein. Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts liefen die alten Konzessionen aus und es wurde eine neue Gesetzgebung eingeführt; zahlreiche Gesellschaften mit sardischem, ligurischem und piemontesischen Kapital investierten mit unterschiedlichem Erfolg auf der Insel. Auch dank einer Analyse, die vom Bergbau-Ingenieur Quintino Sella in den Jahren 1868-71 vorgenommen wurde, wuchs das Interesse an den sardischen Bergwerken, deren Produktivität bereits seit 30 Jahren stieg; während der Zeit der italienischen Vereinigung nutzte die savoyische Regierung ausländisches Kapital, um die Ressourcen der Insel erneut auszubeuten. Es begann eine Periode der großen Produktivität, der Ausdehnung der Abbaugebiete sowie zu Immigrationsbewegungen aus verschiedenen Regionen des neugegründeten Königreichs Italien; das Recht der Bergleute auf angemessene Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie ihre Emanzipation von den Betreibergesellschaften wurde jedoch nicht anerkannt.

Die „unperfekte“ Vereinigung

Im Jahr 1847 n. Chr. trat das Albertino-Statut in Sardinien in Kraft und es führte die so genannte „perfekte Vereinigung (oder Fusion) zwischen dem Königreich Piemont und der Insel ein; dadurch wurde der Codex Carlo Felice ersetzt, der nach der Aufhebung der Carta de Logu ca. 20 Jahre in Kraft war.  

Auf diese Weise wurden die historischen Werte der Insel ausgelöscht. Es besteht nicht länger Diskontinuität zwischen dem Schicksal von Sardinien und dem Königreich Piemont und später dem Königreich Italien.

Der erste Generalstreik in Italien

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die gewerkschaftliche Bewegung durch tiefe Meinungsverschiedenheiten zerrissen, die im April 1904 bei Kongress der Sozialisten deutlich zutage traten. In diesem Jahr wurden in Sardinien zahlreiche Streiks verzeichnet; die Bergarbeiter von Monteponi, Montevecchio, Lula, San Benedetto, San Giovanni Ingrostu, die Steinmetze von Villasimius und LaMaddalena und die Gerber von Sassari und Bosa hatten gestreikt, um ihre Forderungen durchzusetzen. Am 3. September verließen die Bergarbeiter von Buggerru die Schächte und brachten dadurch auch die Anlagen über Tage zum Stillstand. Der französische Konzessionsnehmer reagierte nicht auf die Forderungen der Arbeiter und forderte die italienische Regierung auf, zwei Kompanien Soldaten zu entsenden. Es folgten Aufstände und die Soldaten des italienischen Königs schossen auf die wehrlose Menge, um die Interessen des französischen Konzessionsnehmers zu verteidigen. Es gab drei Tote sowie zahlreiche Verletzte, von denen einer einen Monat später verstarb. Dem gezahlten Blutzoll zum Trotz wurde die Arbeit widerwillig mit nur wenigen Verbesserungen für die Arbeiter fortgesetzt. Die Reaktion des Landes ließ jedoch nicht lange auf sich warten; in vielen Gegend und sogar in der Schweiz sammelte die Arbeiterbewegung erneut ihre Kräfte und rief einen Generalstreik aus. Die Arbeitskammer Mailand schlug ihn vor, und bei einer großen Versammlung, die auf dem Hof der Schulen von Porta Romana stattfand, rief die Menge den landesweiten Streik aus. In mehreren Städte Italiens kam es zu Aufständen mit weiteren Toten und Verletzten. Die Spannungen wuchsen und die Sozialisten überwanden ihre internen Streitigkeiten und riefen den ersten Generalstreik in der Geschichte Italiens aus. 5 Tage lang wurde ganz Italien vom Protest der Arbeiter und Bauern gegen die unwürdige Abschlachtung der sardischen Bergarbeiter bestimmt.

Das „kurze sardische Jahrhundert“

Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts ist durch eine schwere Wirtschaftskrise, durch die Entvölkerung, durch das Auftreten einer neuen und besonderen Wert von Kriminalität gekennzeichnet, die eine Reaktion auf die Unterdrückung durch einen fernen, kurzsichtigen und tauben Staat zu verstehen ist, sowie durch die Vielzahl von Toten in den beiden Weltkriegen.

Im ganzen Jahrhundert gibt es jedoch auch immer wieder Perioden, in denen die sardische Sehnsucht nach Selbstbestimmung in der literarischen und kulturellen Produktion oder in neuen politischen Phänomenen wie der Entstehung des Partito Sardo d’Azione zwischen den beiden Weltkriegen sowie dem Autonomiestatut bei der Gründung der Republik Italien zu neuem Leben erwacht. Im 20. Jahrhundert werden wichtige Persönlichkeiten der Politik und der Kultur geboren, die sich als Sarden verstehen, jedoch nationale und internationale Ziele verfolgen.

Während der Zeit des Faschismus kommt es durch den Wandel der Landwirtschaft, Urbarmachungen sowie die Erschließung der Bergbaugebiete Carbonia im Sulcis zu neuen wirtschaftlichen Impulsen und Immigrationsbewegungen.

Während des gesamten Jahrhunderts bildet sich auf der Insel ein neues politisches und gewerkschaftliches Bewusstsein heraus, das auf kultureller Ebene durch herausragende Persönlichkeiten zum Ausdruck gebracht wird.

Die Landwirtschaft und die Schafzucht erblühen zu neuem Leben.

Nach dem zweiten Weltkrieg wird die Malaria besiegt, es kommt zur Entstehung von militärischen Sperrgebieten sowie Industrialisierung, die zu widersprüchlichen Ergebnissen geführt hat, sowie zur Entstehung einer neuen Form von Kriminalität; der Bergbau verliert nach und nach an Bedeutung, da die Lagerstätten zur Neige gehen oder unwirtschaftlich werden; Sardinien verfügt heute jedoch noch über große Goldvorkommen. Der Tourismus führt zu Arbeit und neuem Wohlstand, jedoch auch zu einer Vielzahl von Bausünden. Die Autonomie- und Unabhängigkeitsbestrebungen erblühen erneut.

Unabhängigkeit und Autonomie

Von der nuraghischen Epoche zum Autonomiestatut im Jahr 1948 waren die sardischen Völker insgesamt ca. 1.400 Jahre unabhängig; in den verschiedenen Epochen waren sie jedoch insgesamt 2.150 Jahre der Fremdherrschaft unterworfen. Sardinien ist heute in den italienischen Staat integriert, die Insel verfügt jedoch über ein spezielles Autonomiestatut.


Im Europa des 21. Jahrhunderts und im Mittelmeerraum zu Beginn des dritten Jahrtausends, das zu einem globalisierten Amphitheater geworden ist, ist Sardinien von einem tiefgreifenden wirtschaftlichen Wandel geprägt, der zu neuen Herausforderungen der gesellschaftlichen und kulturellen Integration sowie zu einer neuen Sehnsucht nach sardische Autonomie geführt hat.


Ein besonderer Dank an Marta, Chiara und Carlo, die diese Arbeit geduldig lektoriert haben.

Reservieren Sie
Ihren Liegeplatz

Für langzeittarife
(Sommer,Winter, Jahr)

Für Kurzzeittarife
(Tagliche, week end, wochentlich)

Reservierungspaneel zurücksetzen Vorausgehender Schritt
Typ des Boots
Geben Sie den Typ Ihres Boots an
Segel Ein Rumpf
Segel Mehrere Rümpfe
Motor Ein Rumpf
Motor Mehrere Rümpfe
Nächster Schritt:Länge des Boots
Vorausgehender Schritt Reservierungspaneel zurücksetzen
Länge des Boots
Geben Sie die Länge in Metern an
Nächster Schritt:Dezimalstellen Länge
Vorausgehender Schritt Reservierungspaneel zurücksetzen
Länge des Boots
Geben Sie die Dezimalstellen der Länge an
Nächster Schritt:Breite des Boots
Vorausgehender Schritt Reservierungspaneel zurücksetzen
Breite des Boots
geben Sie die Breite in Metern an
Nächster Schritt:Dezimalstellen Breite
Vorausgehender Schritt Reservierungspaneel zurücksetzen
Breite des Boots
Geben Sie die Dezimalstellen der Breite an
Nächster Schritt:Datum der Ankunft
Reservierungspaneel zurücksetzen
Ankunft des Boots
Geben Sie das Datum der Ankunft an
Nächster Schritt:Datum der Abreise
Vorausgehender Schritt
Abreise des Boots
Geben Sie das Datum der Abreise an
Loading